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Donnerstag, 1. September 2016

Das Barfen und die Wissenschaft oder: Warum ich abwiege


Heute gibt es, ganz ungewohnt, von mir Mal einen längeren Beitrag. Ihr wisst schon, einen von denen, die kaum einer zu Ende liest, aber ich muss mir Mal etwas von der Seele schreiben, bevor ich hier irgendwann noch explodiere. Kaum ein Hundebesitzer, der online unterwegs ist, schafft es heute noch vom Krieg um das beste Hundefutter verschont zu bleiben. Gerade den Barfern wird gerne vorgeworfen, dass sie das Barfen als die einzige zu akzeptierende Fütterungsart ansehen. Dabei wird aber nicht nur gegen die Trocken- und Feuchtfutter-Fütterer ausgeteilt, sondern auch Mal kräftig untereinander. Jetzt sollte Man meinen, dass sich etwa um verschiedene Ansätze der Rohfütterung gestritten wird, wie "Zählt Herz nun zu den Innereien oder zum Muskelflesich?" oder "Macht Getreide im Hundefutter Sinn?", aber einer der Hauptstreitpunkte, der mir immer wider auffällt - vermutlich auch, weil er mich eben selbst betrifft - ist die Kritik an Barfern, die das Barfen gerne genau nehmen. So recht kann ich noch immer nicht verstehen, warum man sich überhaupt rechtfertigen muss, warum man versucht bei der Fütterung seines Hundes alles möglichst richtig zu machen. Ich bin schon vor längerer Zeit aus allen möglichen Social Media Hunde-Gruppen ausgetreten, weil ich keine Nerven mehr für das gegenseitige Köpfeeinschlagen über Hundethemen aller Art hatte. Nur einer einzigen Barg-Gruppe, die ich wirklich immer als sehr kompetent und hilfreich empfinde, bin ich treu geblieben. In regelmäßigen Abständen von höchstens 14 Tagen wird dort immer und immer wieder ein Beitrag nach dem selben Schema erstellt:

Barfer A fragt sich, warum so viele andere Barfer aus dem Füttern von Hunden eine Wissenschaft machen. Er würde doch schon seit mindestens 370 Jahren barfen und seine Hunde bekommen irgendwas zu essen, was eben grad da ist. Einen Plan hat er nicht und abwiegen tut er sowieso schon drei Mal nicht. Lektüre über Barf hat er auch nicht gelesen, die gab es vor 370 Jahren ja auch noch nicht. Jetzt zwar schon, aber das Lesen lohnt sich offenbar nicht mehr. Seine Hunde sind top gesund und mindestens 40 Jahre alt. Ihnen geht es bestens, ebenso wie den Hunden seiner Ur-Ur-Ur-Großmutter. Die hat ihre Hunde nämlich auch schon gebarft, obwohl es das Fütterungskonzept "Barf" damals noch garnicht gab. Deswegen leben die auch immernoch. Warum wird also heutzutage alles so verkompliziert? Und da ist da natürlich noch der Wolf. Ja, der Wolf, der hat doch auch keine Löffelwaage und bekommt auch keine 100 Pülverchen zu essen. Und unserer Hunde, das sind ja quasi Wölfe. Sowieso haben wir doch alle einen an der Klatsche und machen uns mit der Ernährung unserer Hunde völlig verrückt. Ebenso alle anderen um uns herum gleich mit, denn die haben ja dann gleich auch keine Lust mehr aufs Barfen.

Das ist jetzt, zugegebenermaßen, ein wenig überspitzt dargestellt, aber, ehrlich, auch nur ein wenig. Alle wiederkehrenden Keywords sind enthalten, von der Beteuerung es schon seit Ewigkeiten ganz anders und ohne Anweisung und Wissen zu machen, über den Wolfsvergleich bis hin zum obligatorischen Angriff. Der ist nämlich in diesen Beiträgen stets enthalten. Ein Vorwurf, dass wir doch irgendwie alles ganz falsch machen würden. Jemand ging sogar ein Mal so weit zu behaupten, dass wir unseren Hunden damit, das wir es mit der Ernährung zu genau nehmen, womöglich schaden würden. Eine Erklärung wie wir ihnen damit schaden, konnte sie leider nicht liefern. Natürlich kommt dann immer die naheliegende Frage "Warum stört es dich denn so sehr wie wir unsere Hunde füttern?". Ja, warum eigentlich? Auch darauf gibt es selten eine Antwort, sondern es wird lieber zurückgerudert. Es störe ja garnicht und man wolle auch niemanden damit kritisieren (Nachdem man aber genau das eben getan hat. Oft sogar in recht unfreundlichen Worten). Man wolle es doch einfach "nur verstehen".

Bei der Verständnisfrage kann ich gerne helfen. Ja, warum nehme ich es mit der Ernährung meiner Hunde eigentlich so genau? Warum habe ich einen Plan, nach dem ich füttere und warum rechne ich sogar ab und an Mal aus, ob meine Hunde mit bestimmten Nährstoffen unter- oder überversorgt sind? Weil ich möchte, dass es ihnen so gut wie möglich geht. Eigentlich sollte das doch als Erklärung reichen, tut es aber wohl nicht, deshalb gehen wir auch hier gerne ins Detail. Denn Details, die mag ich nicht nur bei der Hundeernährung.

Vorweg aber ein kleiner Disclaimer: Versteht mich bitte nicht falsch - Ich werfe niemandem vor, seinen Hund falsch, schlecht oder gewissenlos zu ernähren, nur weil er nicht nach einem Plan füttert oder Bestandteile abwiegt (oder Trocken- oder Feuchtfutter füttert)! Sicher kann man, wenn man sich ein Grundverständnis über das Barfen angeeignet hat, einen Hund auch wunderbar gesund ernähren ohne Pläne zu erstellen oder Zutaten abzuwiegen. Auch meine Hunde werden nicht akribisch und fanatsich ausschließlich nach ihrem Plan gefüttert - In der Regel aber schon. Ich backe viel und gerne für sie und ab und an gibt es sogar eine Packung Fertigbarf mit katastrophaler Zusammensetzung. In der Regel steht keiner von "uns Abwiegern" in der Küche und wiegt 12,345g Pansen mit der Feinwaage ab, wie einige Leute es zu denken scheinen. Auch bei uns gibt es Abweichungen und manchmal sind diese kleiner, mal größer. Aber Pläne und Abwiegen helfen uns dabei eine Aufteilung, die wir für sinnvoll erachten, zumindest grob einzuhalten. Ich weiss das Bedarfswerte nur Richtwerte sind, die zur Orientierung diesen. Einige Leute brauchen diese Orientierungshilfe eben nicht, andere, wie ich, schon.

Das Barfen und die Wissenschaft oder: Warum ich Abwiege
Kurz und knackig zusammengefasst.

"Warum macht ihr aus dem Barfen eine Wissenschaft?"


Erst Mal machen wir daraus keine Wissenschaft. Ernährung ist bereits eine Wissenschaft. Die Ernährungswissenschaft. Das gibt es nicht nur für Hunde, sondern auch für Menschen. Lasst euch das von jemanden sagen, der 3 Jahre seines Lebens auf einer ernährungswissenschaftlichen Schule verbracht hat.

Was ist überhaupt eine Wissenschaft? Eine Wissenschaft ist "ist der Inbegriff der Gesamtheit menschlichen Wissens der Erkenntnisse und Erfahrungen einer Zeitepoche, welches systematisch gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird."¹)   Stellt euch das nur Mal vor - Wir haben das gesamte Wissen und die gesamte Erkenntnis der Welt bezüglich der Hundeernährung zu unserer Verfügung! Warum um alles in der Welt sollten man dieses Wissen denn nicht nutzen wollen? Alleine die Vorstellung ist absurd.

Ich greife bei der Ernährung meiner Hunde auf das Wissen der Wissenschaft zurück. Ich betreibe die Ernährung nicht als Wissenschaft. Letzteres würde bedeuten, dass ich meine Hunde zum Beispiel 3 Jahre lang mit Schlund füttere, in regelmäßigen Abständen Blutwerte messe und dann schaue, ob die Schilddrüsenwerte meiner Hunde danach zufällig explodieren. Aber schlaue Leute haben die Hundeernährung für uns als Wissenschaft betrieben. Sie haben Forschung betrieben und Erkenntnisse für uns zusammengestellt. Andere schlaue Leute wie zum Beispiel Nadine Wolf oder Swanie Simon haben sich die Mühe gemacht dieses gewonnene Wissen für uns in einfachen und verständlichen Worten zusammenzufassen. Um so ein Buch zu lesen und den einfachen Anweisungen darin zu folgen, braucht man keinen Universitätsabschluss.

 

Wir leben halt nicht so lange.
"Ihr achtet doch auch nicht so auf eure Ernährung!"


Für uns Menschen gab es vor langer, langer Zeit (so etwa vor 3 Millionen Jahren) den Zustand, in dem wir uns intuitiv richtig ernähren konnten. Das hat etwas mit Evolution zu tun. Wir Menschen wurden (trotz sich hartnäckig haltendem entgegengesetztem Glauben) nicht einfach von einem Tag auf den anderen mit einem Fingerschnipsen auf die Welt katapultiert und uns wurde gesagt "So, Das alles habt ihr um euch herum zum Essen zur Verfügung. Macht das beste draus!". Der Mensch hat sich anhand der ihn umgebenden Lebensbedingungen und der zur Verfügung stehenden Nahrung entwickelt. Wir kamen quasi "per default" so auf die Welt, dass unser grober Nährstoffbedarf dem entsprach, was wir überhaupt bekommen konnten. Hätte es vor 3 Millionen Jahren keine Mammuts oder andere Tiere gegeben, könnten wir heute vermutlich kein Fleisch verdauen. Aber das war vor langer Zeit. Die uns heute zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel haben sich viel schneller entwickelt, als die Evolution unsere Körper anpassen konnte. Schade, denn sonst könnte ich vermutlich ohne Bedenken jeden Tag eine Tafel Schokolade essen. Dass ich das aber besser lassen sollte, weiss ich nicht aufgrund meiner Intuition, denn, glaubt mir, mein Körper schreit geradezu "Schokoooolaaaade". Das weiss ich aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse. Wir Menschen haben schon lange die Fähigkeit uns intuitiv richtig ernähren zu können eingebüßt. Wir essen, entweder was wir wollen, oder, was wir aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen für richtig halten. Im Idealfall ist es eine Kombination aus beidem.

Es stimmt, die allerwenigsten essen nach einem Plan, wie einige Barfer ihn für ihre Hunde erstellt haben. 75% aller Männer und 58% aller Frauen in Deutschland sind übergewichtig, etwa jeder zehnte Mensch weltweit hat Diabetes! ²) Zahlreiche weit verbreitete Erkrankungen sind auf eine falsche Ernährung zurückzuführen: Bluthochdruck, Herz-Kreislaufstörungen, Nierenschäden, Leberschäden, Gicht, Gallensteine, Arthrose, Osteoporose und sogar einige Krebsarten. Vielleicht sollten wir besser nach einem Plan essen.

Ja, viele Barfer, die ihren Hund nach einem Plan ernähren, nehmen es mit ihrer eigenen Ernährung weniger genau als mit der Ernährung ihres Vierbeiners - Wobei ich niemanden kenne, der seinen Hund verantwortungsvoll barft und sich selbst jeden Tag eine Fertigpizza in den Ofen schiebt. Das Bewusstsein für die gesunde Ernährung des Hundes scheint immer mit einem gewissen eigenen Gesundheitsbewußtsein einher zu gehen. Aber tatsächlich ernähren sich die wenigsten Menschen nach einem Plan, wie viele Barfer ihn für ihre Hunde haben, obwohl es, wie oben erläutert, sicher von Vorteil wäre.

Warum ist das also so? Auch hier finde ich die Gründe ganz logisch. Warum kann eine Frau 10 Jahre lang rauchen, aber sobald sie schwanger wird, stellt sie dieses Verhalten ein? Weil man plötzlich nicht mehr nur die Verantwortung für sich selbst übernehmen muss, sondern auch für ein anderes Lebewesen. Ein Lebewesen, das, im Gegensatz zu einem selbst, diese Entscheidungen nicht selbst treffen kann und uns damit völlig ausgeliefert ist. Wenn ich mich falsch ernähre, bin ich die Leidtragende, die die Konsequenzen dafür wohl eines Tages tragen muss. Wenn ich meinen Hund falsch ernähre, ist er unverschuldet der Leidtragende.

Ein weiterer Grund ist der große Unterschied zwischen der Lebenserwartung eines Hundes und eines Menschens. Meine Lebenserwartung liegt irgendwo bei über 70 Jahren. Die Lebenserwartung einer Französischen Bulldogge liegt bei 10 Jahren. 10 Jahre!! Das muss man sich einmal vor Augen führen (oder besser nicht, sonst muss ich heulen). Genki hat schon fast seine halbe Lebenserwartung hinter sich. Wenn ich durch meine falsche Ernährung 5 oder 6 Jahre früher sterbe, dann ist das für mich, gemessen an meiner langen Lebensspanne, eher eine kleine Zahl. Ich lebe jetzt schon 3 Mal so lange, wie meine Hunde es voraussichtlich je tun werden. Für Genki würde das bedeuten, dass er morgen tot umfallen könnte. Bei einer so kurzen Lebenserwartung zählt jeder Tag,  den meine Hunde leben und eine gesunde Ernährung ist nun Mal der beste Weg einer Vielzahl von Erkrankungen vorzubeugen. Da muss noch jemand fragen, warum ich es lieber etwas zu genau als zu locker nehme?

Der letzte Grund ist ein ganz praktischer: Weil's ihnen schmeckt. Okay, hier kann ich nur für mich und meine Hunde sprechen, denn es gibt auch Futtermäckler, die über den Inhalt ihres Napfes nicht so begeistert sind. Wenn ich von Leuten höre, die schon seit einem halben Jahr versuchen ihrem Hund das Rohfutter schmackhaft zu machen und diese es immernoch ekelig finden und lustlos essen, dann denke ich, ganz ehrlich: "Dann lass es doch.". Essen bedeutet euch ein Stück weit Lebensqualität. Was bringt es, wenn mein Hund 1 Jahr länger lebt, aber 9 Jahre lang an Lebensqualität einbüßen musste? Müsste ich meine ganze Ernährung nach einem Plan ausrichten, dann würde das für mich bedeuten, dass ich von dieser Lebensqualität einbüßen müsste. Solange sich Genki und Momo mit Begeisterung auf ihren Napf stürzen, dessen Inhalt genau nach einem Plan ausgerichtet ist, sehe ich hier mehr Nutzen als potenziellen Schaden.

 

Dem Hund jeden Mist füttern und er wird trotzdem alt?
"Früher hat man Hunde mit Essensresten und Schlachtabfällen gefüttert und es ging ihnen gut!"


Tat es das wirklich? Das ist ein Argument, mit dem ich schon mehrfach konfrontiert wurde, nämlich von meiner Mutter. Sie (und auch ich ein stückweise als Kind) wuchs mit Hunden auf, die im Hof lebten und die eben am Abend das bekamen, was vom Menschenessen übrig geblieben ist. So wie das früher eben war. So etwas wie Dosenfutter oder gar Barfpläne kannte man nicht. Den Hunden ging es gut, sie waren gesund. Sagt sie. Wenn ich sie aber frage, wie alt diese Hunde denn genau geworden sind, dann kann sie mir diese Frage nicht beantworten. Vielleicht ist der letzte Hund 20 geworden, vielleicht ist er mit 6 gestorben. So genau weiss das keiner. Um genau zu sein, kann sie sich heute mit meiner Schwester nicht einmal darauf einigen, wie der Hund eigentlich hieß. Das sagt doch irgendwie schon alles aus, was man über dieses Thema wissen muss. Diese Hunde waren dafür da, Haus und Hof zu bewachen. Es waren Michlingshunde, die man "irgendwo vom Nachbarn" hatte. Sie lebten draußen und ein kleines Wehwehchen, vielleicht schuppiges Fell oder gar eine Schilddrüsenunterfunktion,  die irgendwie auf die Ernährung zurückzuführen hätten sein können, wären garnicht aufgefallen. Wer ist denn damals schon mit seinem Hund zum Tierarzt gegangen und hat seine Schilddrüse untersuchen lassen? Wie kann man da den Gesundheitszustand eines Hundes von "früher" überhaupt richtig beurteilen? Und wer garantiert eigentlich, dass so ein Hund sich im Garten nicht vielleicht  auch mal eine Ratte, Maus oder ein Kaninchen geschnappt hat und so seine eigene Ernährung aufgepeppt hat? Quasi Prey-Ernährung mit frischen, ganzen Beutetieren. Besser geht es doch kaum. Zudem sollte man hier wohl auch anmerken, dass diese Hofhunde eben oft jahrelangen Generationen von Mischlingshunden entstammen, es sich also um wesentlich robustere Hunde handelte als beim heutige 2kg-Chihuaha, der selbst mit der gesündesten Ernährung eine kürzere Lebenserwartung hat.

 

Das Barfen und die Wissenschaft oder: Warum ich Abwiege
Waagen - Werke des Teufels?
"Ich barfe schon sein 20 Jahren ohne Plan und meinen Hunden geht es bestens!"


Von Barfern, oder Leuten, die sich so nennen (Denn streng genommen ist "Barf" eben ein Fütterungskonzept, das bestimmten Regeln folgt. Das willkürliche Füttern irgendwelcher rohen Komponenten ist dagegen zwar eine Rohfütterungsform, aber eben kein "Barf".), finde ich diese Argumentation immer etwas seltsam. Ist es nicht irgendwie genau das selbe Argument wie "Ich füttere meinen Hunden schon seit 20 Jahren Frolic-Trockenfutter und ihnen geht es bestens!"? Wenn man das für ein valides Argument hält, dann kann man auch jegliche Form der Rohfütterung sein lassen und seinen Hund mit Frolic, Aldidosenfutter oder sogar vegan ernähren. Denn zu jeder Art der Fütterung gibt es immer die Paradbeispielhunde, die damit alt wie Medusa geworden sind. Ich selbst habe Mal einen Kater aus zweiter Hand übernommen, der damals schon 19 Jahre alt war. Selbst für eine Katze ist das ein beachtliches Alter. Er hat in seinem langen Leben nie etwas außer Billigfertigfutter bekommen und schaffte bei mir sogar noch die 20. Dann ist er an Nierenversagen gestorben - eine ernährungsbedingte Erkrankung. Mit einer besseren Ernährung wäre er vielleicht 25 geworden. Das weiss man eben nicht. Mann kann ein Tier, das eine bestimmte Art der Fütterung erhalten hat, nicht mit dem selben Tier aus einem Paralleluniversum mit anderer Fütterungsart vergleichen um festzustellen, ob eine anderen Ernährung nicht womöglich zu einem längeren Leben geführt hätte. Zudem kennen wir sie doch wohl alle, die Beispiele, der Menschen, die trotz ungesundem Leben ein enormes Alter erreicht haben. Das liegt schlichtweg daran, dass die genetische Veranlagung eine zentrale Rolle bei der Lebenserwartung, sowie beim auftreten von Krankheiten spielt und einige Individuen ein zusätzliche Langlebigkeits-Gen haben, das ihnen unabhängig von ihrer Ernährung nicht nur ein längeres, sondern auch ein gesünderes Leben ermöglicht.³) Mit anderen Worten: Jemand kann sich sein Leben lang gesund ernähren und dennoch deutlich früher sterben, als jemand, der sich sein Leben lang ungesund ernährt hat, jedoch über besagtes Gen verfügt. Das bedeutet aber nicht, dass jemand mit dem sogenannten Langlebigkeits-Gen durch eine gesündere Ernährung nicht noch länger hätte leben können, oder dass jemand ohne dieses Gen mit einer schlechten Ernährung ebenso alt geworden wäre. Die genetische Veranlagung und der fehlende Vergleich zu dem identischen Hund unter einer anderen Ernährung sorgen dafür, dass individuelle Beteuerungen von Besitzern von alt gewordenen Hunden unter einer willkürlichen und womöglich schlechten Ernährung wenig Aussagekraft haben.

 

Das Barfen und die Wissenschaft oder: Warum ich Abwiege
Der Wolf und das Seealgenmehl.
"Der Wolf bekommt doch auch keine Pülverchen!"


Meine Hunde eigentlich auch nicht. Diese Aussage macht mich vor allem immer in der besagten Barfgruppe, die ja Anlass für meine Worte hier ist, sehr stutzig, denn der allgemeine und vernünftige Konsens dieser Gruppe ist eigentlich: Lasst die Finger von den Pülverchen! Wir reden hier insbesondere von der Vielzahl von verschiedenen Herstellern angebotenen Komplementär-Pülvermischungen, die zur Rundumversorgung des Hundes angepriesen werden. Oft wird es in den unterschiedlichen Werbeversprchen sogar so dargestellt, dass der Hund ohne diesen Pulvermischungen nicht ausreichend mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt werden kann. Aber genau das bedeutet richtiges Barfen eben nicht! Man wirft eben nicht willkürlich irgendwas in den Napf, sondern orientiert sich an einem Konzept, das darauf ausgelegt ist, das der Hund möglichst ohne Zusätze mit allem versorgt wird, was er braucht und genau diese Ernährungsform ist an der Ernährung des Wolfes orientiert. Aber, und das darf man einfach nicht vergessen: Wir ernähren Hunde und keine Wölfe und solange wir nicht mit ihnen in den Wald gehen können und sagen können "Da, reiß dir ein Kaninchen", bei dem sich der Hund dann ausgiebig bedienen kann, wie ein Wolf es eben tun würde, können wir die Ernährung der Wölfe nicht 1:1 in dieser Form nachstellen und müssen uns kleiner Hilfsmittelchen bedienen. An Pulvern bedeutet das im Klartext für mich, dass ich die Jodversorgung meins Hundes sicherstellen muss und für diesen Zweck Seealgenmehl füttere. Natürlich isst ein Wolf kein Seealgenmehl. Seine Schilddrüse wird anders reguliert, nämlich indem er komplette kleinere Beutetiere isst, inklusive Schilddrüse und den darin enthaltenen Hormonen, die sich wiederum auf seine eigene Schilddrüse auswirken. Sicherlich erbeutet er gelegentlich mit seinem Rudel ein Reh und bekommt auch da ab und an auch Mal eine Schilddrüse oder einen Teil davon zu essen. Da ich aber barfe und nicht dem Fütterungskonzept "Prey" folge, bei dem ganze Beutetiere verfüttert werden und da der Wald auch kein Selbstbedienungsbuffet für meine Hunde ist, muss ich mir anders aushelfen und dafür sorgen, dass die Schilddrüse auf anderem Weg alles bekommt, was sie zum richtigen Funktionieren braucht. Abgesehen von Pulvern, gibt es auch noch einige wenige andere Komponenten, die der Hund beim Barfen nicht in der Form zu sich nimmt, wie es ein Wolf tun würde. So bestehen zum Beispiel unsere tierischen Barfkomponenten in der Regel aus ausgeblutetem Fleisch, aber der Wolf würde das Blut seines Beutetieres ebenfalls zu sich nehmen. Wir haben diese Möglichkeit nicht und so müssen wir gebarften Hunden Natrium in anderer Form, entweder durch Salz oder durch zusätzliche Gabe von frischem Blut, zuführen. Ja, der Wolf wiegt nicht ab, isst kein Salz und braucht kein zusätzliches Jod - Er braucht das alles im Gegensatz zu einem gebarften Hund auch nicht.

Übrigens jagt der durchschnittliche Wolf am Tag 5,4kg Wild und isst davon etwa 4kg!⁴) Ein durchschnittlicher Wolf wiegt etwa 40kg, ein gleich schwerer Hund würde mit einer Barfernährung angesetzt bei einer Futtermenge von 2,5% vom Körpergewicht etwa einen Kilo am Tag essen, also nicht einmal ein Viertel von einem gleichschweren Wolf! Alleine das sollte uns doch anzeigen, dass man die Ernährung von Wolf und Hund nicht gleichsetzen kann, bzw. dass eine willkürliche "Ich füttere irgendwas"-Ernährung den Nährstoffbedarf eines Hundes mit großer Wahrscheinlichkeit nur deckt, wenn man ihm ein Vielfaches der beim Barfen üblichen Futtermengen zur Verfügung stellen würde.

Solange ich meine Hunde nicht ganz genau so ernähren kann, wie ein Wolf sich ernähren würde (was sie übrigens garnicht wollen, denn alleine Fleisch in großen Stücken finden sie bäh!) - und das bedeutet "Komplettes, frisches Beutetier fangen und essen" - brauche ich auch gar keine "Aber der Wolf"-Argumente auf den Tisch bringen.

 

Das Leben ist schwer.
"Ihr macht euch das Leben schwer!"


Es ist rührend, dass sich mir vollkommen unbekannte Menschen so sehr Sorgen darüber machen, wie ich mir das Leben schwer mache, dass sie darüber sogar einen ellenlangen Eintrag schreiben müssen, also lasst euch gesagt sein: Nein, ich mache mir das Leben nicht schwer. Barfen ist immer nur so schwer, oder so kompliziert, wie man es sich macht. Man erstellt sich einmal einen Plan, der sich an den gängigen Konzepten des Barfens orientiert und damit ist der einzige wirklich aufwändigere Teil erledigt. Wenn man sich die Mühe nicht selbst machen will, kann man Ernährunsgberater mit dem Erstellen eines Planes beauftragen. Es genügt aber schon vollkommen sich die passende Lektüre zu besorgen und sich ein Mal richtig zu informieren. Den groben Grundkonzepten des Barfens zu folgen ist nicht schwer! Man orientiert sich an der Natur, am Beutetier. Da eine Kuh nicht zu 80% aus Pansen besteht, sollte man seinen Hund im laufe eines Monates vermutlich auch nicht mit 80% Pansen füttern. Da eine Tier noch andere Innereien als nur Leber hat, sollte man sich wohl besser auch nicht nur darauf beschränken. Klingt doch eigentlich ganz logisch und nicht all zu schwer. Ist der Plan - der letztendlich doch nichts anderes ist, als die Wiedergabe der groben und für den Hund sinnvollen Aufteilung eines Beutetieres -  einmal fertig, bedeutet das Abwiegen der einzelnen Komponenten einen  Mehraufwand von wenigen Sekunden! Es gibt auch viele Barfer, die ihre Hunde schon lange so füttern, dass sie ein Gefühl dafür bekommen haben, ihre groben Zahlen im Kopf haben und Mengen gut abschätzen können. Auch wenn bei mir in der Küche noch immer ein Zettel mit den einzelnen Mengenangaben hängt, habe ich inzwischen oft genug portioniert um die meisten Zahlen im Kopf zu haben. Abwiegen werde ich wohl immer müssen, da das Einstellen eines Gefühls dafür irgendwie auszubleiben scheint und ich 50g noch immer nicht von 100g unterscheiden kann. Mit allem, angefangen vom Pürieren von Obst und Gemüse, Abwiegen, Mischen und Abfüllen, sitze ich ein Mal im Monat für etwa 3 Stunden dran. Das sind auf Mahlzeit und Hund umgerechnet genau 1,5 Minuten, die ich investiere. Die Zeitersparnis, die ich hätte, wenn ich meinen Hunden einfach nur völlig konzeptlos eine Packung Hackfleisch in den Napf werfen würde, ist es mir persönlich nicht wert. Ich denke, mein Leben ist manchmal schon schwer, am Barfen liegt es aber eher nicht.

 

Abschreckend: 1,5 Minuten Zeitaufwand pro Portion.
"Ihr schreckt potentielle Barfer ab!"


Das tut mir leid. Ehrlich. Aber soll mir das jetzt implizieren, dass ich meine Hunde weniger sorgfältig ernähren soll, als ich es für gut und richtig halte, nur damit irgendwo anders irgendwer ein weniger schlechtes Gewissen hat und seinen Hund dabei vielleicht auch noch schlecht ernährt? Barfen ist nicht schwer! Niemand soll sich davon abschrecken lassen, weil irgendwo irgendwer sein Hundefutter abwiegt. Aber, ganz ehrlich, wer nicht bereit ist sich zumindest ein wenig mit dem Thema zu befassen (Ein Buch! Ehrlich, Leute, ihr müsst doch nur ein Mal ein Buch lesen!) und denkt, Barf bedeutet in den Supermarkt zu gehen, seinem Hund Mal eine Packung Hähnchenschenkel zu kaufen und in den Napf zu schmeißen und damit wäre alles erledigt, der sollte vielleicht auch abgeschreckt werden. Ich kenne einen extremen Fall, da wurde ein Hund nur mit Knochen ernährt und ein Mal in der Woche gab's als "was Besonderes" auch mal Fleisch. Das hätte man Mal irgendwo so gelesen. Wo um alles in der Welt liest man so etwas? Ich kenne kein Barf-Buch, das so etwas propagiert! Hey, der Hund war schon stellenweise kahl und wie sein Kot wohl ausgesehen hat, will ich garnicht wissen, aber alles gut, Barf soll ja blos nicht zu kompliziert sein. Dann braucht man sich auch nicht darüber wundern, dass so viele Tierärzte gegen das Barfen ist - Nicht weil es für Hunde so schlecht wäre, auch nicht weil der Tierarzt eures Vertrauens lieber sein eigenes Fertigfutter gewinnbringend unter den Mann bringen will, sondern weil viele Leute nicht bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen und es richtig zu machen. Und dann hat man irgendwann einen kahlen Hund.

Ja, ich füttere meine Hunde nach einem Plan, ja, ich wiege ab und ja, ich rechne sogar ab und zu Mal Nährstoffwerte aus. Das gibt mir Sicherheit und tut euch doch nicht weh, wo ist das Problem? Irgendwo muss ja ein Problem liegen, wenn sich Leute in regelmäßigen Abständen darüber entrüsten.

 Von mir aus könnt ihr eure Hunde mit absolut Allem füttern, was ihr wollt, ob schlecht oder gut, oder ob ihr es nach dem Barf-Konzept aufteilt oder willkürlich. Aber stellt doch die, die einen Plan haben oder gar abwiegen bitte nicht dar, als wären wir alle verrückte Spinner, die euch das Barfen vermiesen. Füttert euren Hunden was ihr wollt, was ihr für richtig haltet und was ihr mit eurem Gewissen vereinbaren könnt. Mein Leben oder das Leben meiner Hunde wird dadurch nicht schlechter, dass ihr Fanatasiekühe verfüttert, die zu 80% aus Pansen, 10% aus Leber und 10% Muskelfleisch bestehen. Euer Leben aber auch nicht, wenn ich mir so meine Gedanken zur sinnvollen Ernährung mache und mir 1,5 Minuten Zeit pro Hundemahlzeit nehme. Ich möchte niemanden dazu bekehren sein Fütterungskonzept umzustellen. Ich möchte nur, dass man meines, und das von vielen anderen Barfern, nicht ständig versucht schlecht zu reden oder gar ins Lächerliche zu ziehen, weil es zu gründlich ist. Seit wann ist "zu gründlich" ein schlechtes Attribute geworden? Weil es für einige nicht zum gegenwärtigen "Jeder kann barfen. Barfen ist doch so einfach"-Trend passt? Barfen ist einfach! Aber Barfen ist dennoch nicht "irgendwas füttern, hauptsache roh". Und wenn ihr irgendwas füttern wollt, dann tut das von mir aus gerne auch, wenn ihr euch damit wohl und sicher fühlt. Ich fühle mich so sicher, wie ich es handhabe und mit Sicherheit schade ich meinen Hunden damit nicht.

Es gibt von Nadine Wolf hier übrigens einen lesenswerten Artikel mit dem Titel "Falsch, falscher, Pseudo-BARF – wie man es nicht machen sollte", den ich allen ans Herz legen möchte. Barfen muss nicht kompliziert sein, aber "Barfen" ist immernoch "Barfen" und nicht "Irgendwas füttern" und ich verstehe nicht so recht, wie es jetzt schon dazu gekommen ist, dass man sich rechtfertigen muss, weil man eben genau das tun möchte - Barfen.  Nach einem durchdachten Konzept füttern. Ob man dabei abwiegt oder nicht oder einen Plan aufgeschrieben oder im Kopf hat, ist völlig egal, solange man sich an die Grundlegenden Regeln dieses Konzepts hält. Also, in diesem Sinne: Lasst mich doch bitte füttern, wie ich es für meine Hunde für am besten erachte. (Du auch, Mama!)        ♡ Monika

¹)  Brockhaus Enzyklopädie, 19. Aufl., Mannheim, 1994.
²) http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/ernaehrung.php
³) Journal of the American Geriatrics Society Volume 64: Compression of Morbidity Is Observed Across Cohorts with Exceptional Longevity
⁴) http://www.wolfszone.de/000main/texte/wasfrisstderwolf.pdf & http://www.jagderleben.de/praxis/wildkunde/was_frisst_der_wolf_.html
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